Geschichte des IBSV

Vom mittelalterlichen Schutzbund zum modernen Traditionsverein

Warum Geschichte zählt

Der Ursprung des IBSV liegt im Jahr 1705, als König Friedrich Wilhelm I. die (Wieder)Gründung einer Bürger-Schützen-Compagnie in Iserlohn anordnete – zum Schutz der Stadt und ihrer Menschen. Aus dieser Schutztruppe entwickelte sich im Laufe der Zeit der Verein.

Der Iserlohner Bürger-Schützen-Verein e. V. ist mehr als ein Traditionsverein. Er ist ein lebendiger Teil der Stadtgeschichte – verwurzelt im Bürgersinn, geprägt durch Generationen und offen für die Zukunft.

Unsere Geschichte ist geprägt von Wandel, Engagement und dem festen Willen, Werte wie Bürgertreue und Einigkeit zu bewahren – damals wie heute.

Der IBSV – Seit 1705 Teil der Iserlohner Stadtgeschichte

Ein königlicher Erlass – und der Beginn von etwas Großem

Der Ursprung des Iserlohner Bürger-Schützen-Vereins (IBSV) lässt sich auf einen Erlass von König Friedrich I. von Preußen vom 27. September 1705 zurückführen. In diesem Dokument wurde verfügt, dass die Iserlohner Schützengesellschaft „in ihrer alten Form instand gesetzt“ werde.

Wie in vielen anderen Städten waren Schützenvereine ursprünglich Teil der städtischen Selbstverteidigung. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) verlor diese Funktion zunehmend an Bedeutung, und das Schützenwesen wandelte sich: Es wurde geselliger, festlicher und bürgerlicher – mit dem Vogelschießen, Festumzügen und gesellschaftlichem Leben.

Entgegen den Absichten Friedrichs I. erlangten die „Schützen Compagnien“ keinerlei politisch-militärische Bedeutung. Was damals mit wenigen Männern begann, wuchs in den kommenden Jahrzehnten zu einer festen Institution der Stadt.

Die Ursprünge der Schützenvereine

Die Ursprünge der Schützenvereine in Deutschland reichen bis ins Mittelalter zurück, als Bürger Schützengilden gründeten, um ihre Städte vor Bedrohungen wie Überfällen, Kriegen oder Seuchen zu schützen. In dieser Zeit war die Aufgabe der Schützenvereine primär militärischer Natur. Sie übten regelmäßig den Umgang mit Waffen, vor allem Armbrüsten und später Gewehren, um ihre Gemeinschaften zu verteidigen.

Mit der Zeit, besonders ab dem 17. Jahrhundert, verlor die militärische Funktion der Schützenvereine zunehmend an Bedeutung. Als die Aufgabe der Stadtverteidigung zunehmend von bezahlten Söldnertruppen übernommen wurde, begannen die Schützenvereine, ihre Aktivitäten zu verändern. Sie organisierten Schießwettbewerbe und Feste, die mehr und mehr zu gesellschaftlichen Ereignissen wurden.

Ab dem 18. Jahrhundert entwickelten sich die Schützenvereine von militärischen Selbstschutzgruppen zu bürgerlichen Vereinigungen. Sie übernahmen neben dem Schießsport auch soziale und kulturelle Funktionen. Schützenfeste, das berühmte Vogelschießen, Musik und Uniformen prägten diese Veranstaltungen. Die Vereine wurden zu Orten der Mitbestimmung, Geselligkeit und Solidarität und hatten zunehmend eine starke Bindung an das lokale Gemeinwesen.

Heute erfüllen die Schützenvereine weiterhin eine wichtige Rolle als gesellschaftliche und kulturelle Institutionen, die Traditionen pflegen und Gemeinschaft stiften.

Die Entstehung der Schützenkompanien

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wuchs der IBSV stetig – sowohl organisatorisch als auch gesellschaftlich. Wichtige Meilensteine:

Nach den relativ autonomen Anfängen der einzelnen Korps, Kompanien und Züge wurde im Jahre 1827, unter der Führung des damaligen Bürgermeisters und gleichzeitigem Oberst des IBSV, August Wilhelm Post, aus den bestehenden Einheiten das Bataillon gebildet, das aus vier Kompanien und dem Kavalleriekorps bestand.

Alexander Löbbecke

Die Vereinigung & Namensgebung

Ein entscheidender Schritt in der Vereinsgeschichte erfolgte im Jahr 1862:

Auf Initiative von Alexander Löbbecke schlossen sich die bisherigen Einheiten zu einem gemeinsamen Verein zusammen – dem „Iserlohner Bürger-Schützen-Verein“, wie wir ihn heute kennen.

Im selben Jahr wurde auch die Artillerie gegründet. Gleichzeitig erwarb der Verein ein großzügiges Gelände am Hang des Fröndenbergs, das unter dem Namen „Alexanderhöhe“ stadtweit bekannt wurde. Hier entstand noch 1862 die „Alte Halle“ – zu ihrer Zeit die zweitgrößte Schützenhalle Westdeutschlands. Während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 diente sie vorübergehend als Kriegslazarett.

Aufbruch & Ausbau zum Festplatz

Mit wachsender Mitgliederzahl wuchs auch der Platzbedarf. Deshalb ließ der IBSV:

Die Alexanderhöhe entwickelte sich rasch zu einem Zentrum für Veranstaltungen, Geselligkeit und Musik. 

„Neue Halle“ von Otto Leppin entworfen
Notgeld

Zwischen den Kriegen – Jahre des Aufbaus, Umbruchs und der Belastung

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam das Vereinsleben auf der Alexanderhöhe weitgehend zum Erliegen. Die „Neue Halle“ wurde erneut zum Lazarett umfunktioniert, viele Mitglieder mussten in den Krieg ziehen.

Viele von ihnen kehrten aus dem Krieg nicht zurück – der Verlust war spürbar und schmerzhaft.

Gleichzeitig verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des IBSV drastisch. Der Verein stand vor existenziellen Herausforderungen und kämpfte um sein Fortbestehen.

Erst 1921, mehrere Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, konnte wieder ein Schützenfest auf der Alexanderhöhe gefeiert werden. Die Zeit war geprägt von hoher Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit.

In dieser Ausnahmesituation zeigte der IBSV Erfindungsgeist: Er gab eigene Notgeldscheine heraus, die auf dem Festgelände als Zahlungsmittel für Getränke und Speisen genutzt werden konnten – ein Zeichen für den ungebrochenen Willen zur Gemeinschaft und Improvisationskunst in schweren Zeiten.

In den 1930er Jahren geriet der Verein – wie viele gesellschaftliche Organisationen in Deutschland – unter den Einfluss der politischen Entwicklungen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 veränderten sich die Rahmenbedingungen auch für Schützenvereine deutlich.

Während dieser Phase ruhte das eigentliche Schützenwesen als freies Bürgerbrauchtum zunehmend – viele Veranstaltungen wurden abgesagt, eingeschränkt oder in staatlich gelenkte Formen überführt.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 kam das gesellschaftliche Leben im Verein fast vollständig zum Erliegen. Zahlreiche Mitglieder wurden zum Kriegsdienst eingezogen, viele fielen oder kehrten schwer verwundet zurück. Die Alexanderhöhe verlor ihre Bedeutung als Ort der Feste und Begegnung – stattdessen dominierten Not, Mangel und Unsicherheit.

Blick vom Fröndenberg auf die Alexanderhöhe um 1940
Alexanderhöhe um 1962

Im Wandel der Zeit

Erst nach Kriegsende, in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre, konnte der Verein wieder schrittweise aktiv werden – zunächst vorsichtig, später wieder mit zunehmender Kraft. Der offizielle Neustart erfolgte mit der Wiederaufnahme der Schützenfeste und gesellschaftlichen Veranstaltungen ab den frühen 1950er Jahren. Besonders die Umnutzung der Vereinsstätten (wie der Umbau zur Parkhalle und später zum Parktheater) war ein Zeichen des strukturellen und kulturellen Neuanfangs.

Über die Jahrhunderte hinweg hat sich der Iserlohner Bürger-Schützen-Verein (IBSV) zu einer festen Institution im kulturellen Leben der Stadt entwickelt. Mit seinen Veranstaltungen, Traditionen und seiner offenen Struktur bewahrt er nicht nur das kulturelle Erbe Iserlohns, sondern lebt auch den Gemeinschaftsgeist, der den Verein seit 1705 prägt.

Engagement in der Stadtgesellschaft
Neben dem Schützenfest organisiert der IBSV eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen – von sportlichen Wettbewerben über kulturelle Abende bis hin zu sozialen Projekten. Der Verein versteht sich als aktiver Partner der Stadtgesellschaft: offen, engagiert, traditionsbewusst und zukunftsorientiert.

Der IBSV heute: Brücke zwischen Generationen

Wir sind stolz auf unsere Geschichte – und gleichzeitig bereit für die Zukunft.

Mit Veranstaltungen wie dem großen Schützenfest, der Internationalen Musikparade, aber auch durch das alltägliche Engagement unserer Mitglieder lebt der IBSV heute moderner denn je.

Wir sind:

Als ältester Verein Iserlohns prägt der IBSV noch immer das kulturelle Leben der Stadt – mit Herz, Haltung und einem starken Miteinander.